Praktikumsbericht Miriam Kalunder


Im folgenden Bericht schildere ich mein sechs monatiges Praktikum bei der Redaktion „Netzwoche“ im Verlag Netzmedien AG.

 

Allgemeines zur Netzwoche und dem Praktikum

Die Redaktion Netzwoche gehört zum Verlag Netzmedien AG. Die Zeitschrift Netzwoche und deren Internetpräsenz ist die älteste Publikation des Verlages. Sie erscheint seit dem Jahr 2000 alle 14 Tage und erreicht eine Auflage von knapp 8000 Exemplaren. Die Netzwoche richtet sich als Fachzeitschrift an die Internet‐  und Kommunikationstechnologiebranche (ICT‐Branche). Seit einigen Jahren erscheint zudem die Zeitschrift IT‐Markt, die sich an den IT‐Fachhandel richtet. Noch während meines Praktikums wurde im Sommer 2012 die erste Ausgabe von CE‐Today lanciert. CE‐Today richtet sich an den Fachhandel im Bereich Consumer Electronics. Neben den Zeitschriften richtet der Verlag seit 2001 den Best‐of‐ Swiss‐Web‐Wettbewerb aus, bei dem jährlich die besten Internetpräsenzen der Schweiz prämiert werden.

Die Netzwoche beschäftigt regelmässig Praktikanten für sechs Monate, um ihnen einen Einstieg in den Journalismus zu bieten. Von April bis September 2012 konnte ich in der Redaktion viele Erfahrungen sammeln und einen Einblick erhalten. Neben Aufgaben im Bereich des Printmagazins war ich auch – wie die Reaktionskollegen – für die Newsgestaltung des Webauftrittes zuständig. Als Praktikantin im relativ kleinen Team der Netzmedien AG übernahm ich ebenso Aufgaben des Korrekturlesens, der Heftkritik und teilweise auch Routinearbeiten wie das Versenden von Belegexemplaren oder das Sortieren der Archivbestände in den Redaktionsräumen.

 

Aufgabenbereiche beim Printmagazin „Netzwoche“

Bereits in der ersten Woche wurde ich in die laufende Produktion des Magazins miteinbezogen. Fortan gehörten zu meinen festen Aufgaben die Gestaltung mehrerer Rubriken. In der Rubrik „Produkte“ präsentierte ich neue Produkte, die für die ICT‐Branche interessant sein konnten, während ich in der Rubrik „Menschen und Karriere“ Abgänge und Neuanstellungen in der Schweizer ICT‐Branche vorstellte. Zudem war ich verantwortlich für ein bis zwei Seiten Kurznews, was in den letzten 14 Tagen seit Erscheinen des letzten Heftes sowohl die Schweizer als auch die Internationale ICT‐Branche beschäftigt hat.
Ich war zudem verantwortlich für die Rubrik „Projekte“, in der ich drei neue Schweizer Internet‐Projekte vorstelle. Das waren zumeist neue oder neu gelaunchte Websites oder auch Applikationen für das iPhone oder Android‐Smartphones, die ich beispielsweise in Bezug auf die Menüführung, die Suchfunktionen oder die allgemeine Gestaltung hin testete und beurteilte.

Neben diesen vier Rubriken, für die ich immer zuständig war, konnte ich auch unregelmässig grössere Artikel für das Heft schreiben. Diese Artikel ergaben sich meistens aus Veranstaltungen, zu denen ich bereits recht früh geschickt wurde und von denen ich berichtete.
So besuchte ich beispielsweise eine Tagung der Ostschweizer Wirtschaftsfrauen, die sich um das Thema „Social Media“ drehte. Dazu schreib ich einen längeren Eventbericht für die Internetpräsenz, den ich dann für die darauffolgende Heftnummer verkürzt übernehmen konnte.
Ich führte zudem auch das Projekt meiner Vorgängerin fort, die in einer losen Serie innovativ geführte IT‐Unternehmen porträtierte, deren Unternehmensstruktur und Führungsstil besonders neu oder innovativ ist. Dafür besuchte ich die IT‐Unternehmen Netcetera in Zürich sowie IBM Research in Rüschlikon, führte längere Gespräche mit den beiden Geschäftsführern und schrieb dann jeweils ein Porträt zu den spezifischen Unternehmenskulturen.

In der Endphase der Heftproduktion sind alle Redaktionsmitglieder dazu aufgefordert, Vorabdrucke, die bereits im Layout waren, durchzulesen und auf eventuelle Rechtschreib‐, Grammatik‐ oder Layoutfehler abzuklopfen. dabei liest man nur die Texte der anderen, nicht die eigenen. Da ich relativ oft bereits Mitte der Woche mit meinen Aufgaben fertig war, konnte ich dementsprechend auch oft Korrekturlesen. Meine guten Orthographiekenntnisse waren hierbei von Vorteil. Ich arbeitete da auch oft mit unserer Lektorin und Layouterin zusammen, die es schätzte, dass ich grammatikalisch sattelfester war als andere Praktikanten vor mir.

 

Aufgabenbereiche beim Internet‐Nachrichtenportal (www.netzwoche.ch)

Neben den Aufgaben für das 14‐täglich erscheinende Magazin war ich vor allem am Vormittag zum Erstellen von tagesaktuellen Nachrichten für die Website der Netzwoche mit eingeteilt. Die Redaktionsmitglieder der drei Magazine arbeiten hierfür sehr eng zusammen. Dies wird einerseits bedingt dadurch, da der Netzmedien‐Verlag ein sehr kleiner Verlag ist und die gesamte Redaktion somit aus nur neun bis zehn Mitgliedern besteht (inklusive zwei Praktikanten und zwei Chefredakteure). Andererseits überschneiden sich Themengebiete gerade bei den Magazinen Netzwoche und IT‐Markt sehr oft, so dass eine Koordination bei der Verfassung von News notwendig ist, um Inhalte zu teilen und sich nicht zu überschneiden. Die Redaktionsmitglieder der Netzwoche und IT‐Markt halten jeden Morgen etwa gegen 9.30 Uhr gemeinsam eine kurze Redaktionssitzung, in der die Themen für Nachrichten verteilt werden. Quellen für mögliche News sind einerseits Pressemitteilungen, die auf den gemeinsamen Netzmedien‐Mailaccount eingehen, aber auch Eventberichte vom Vortag oder Schlagzeilen von anderen, ausländischen fachnahen Medien. Auch auf Social‐Media‐ Kanäle, besonders Twitter, griff ich oft zu, um mögliche Themen auszumachen. Diese Themenvorschläge wurden in einem Google‐Docs‐Dokument online gesammelt, und dann diskutiert und je nach dem auch gleich einem Redaktionsmitglied zugeteilt.

Meine Aufgaben waren dieselben wie die der festangestellten Redakteure: Themen suchen, sammeln, und pro Tag etwa zwei bis vier Nachrichten verfassen. Diese Nachrichten füllte ich gleich ins interne CMS (Content Management System  ‐  Datenbank) ab, ergänzte sie mit weiterführenden Links, Quellenangaben, passenden Tags und Formatierungen, sowie passendem – wenn vorhandenen – Bildmaterial. Vor der Veröffentlichung einer Nachricht auf der Website lasen wir gegenseitig unsere Artikel Korrektur und publizierten sie dann.

Etwa ab der Hälfte meines Praktikums übernahm ich zudem die Aufgabe, zu gewissen Themen „Social Media Reports“ zu erstellen. Diese Reports sammeln Netzstimmen aus Blogs, Foren und Newsportalen zu einem bestimmten Thema, stellen sie grafisch dar und lassen sich bei Bedarf auch in einen Artikel zu ebendiesem Thema einfügen. Der Leser hat somit einen besseren Eindruck, wie intensiv das betreffende Thema zurzeit gerade im Netz diskutiert wird.

Die Einarbeitung ins CMS namens „Sitecore“, dass vom Netzmedien‐Verlag verwendet wird, ging relativ rasch vonstatten. Bereits am zweiten Tag füllte ich eigenständig Nachrichten ab. Hierbei kam mir meine grosse Erfahrung im Bereich Internet und Websiten und meine rasche Auffassungsgabe zugute. Sitecore ist ein recht komplexes CMS, dass viele unnütze Funktionen hat, was oft zu Beanstandungen führt.

Neben dem Recherchieren, Texten und Abfüllen von Nachrichten für die Website übernahm ich auch rasch die Aufgabe, den täglichen Newsletter zu erstellen. Auch hier arbeitete ich wieder mit dem CMS. Das Ziel war es, den Newsletter um 12 Uhr mittags fertig erstellt zu haben, um ihn dann bis halb eins versenden zu können. An mir lag es, die Artikel zusammenzustellen, Dossiers und Inhalte einzufügen, eine geeignete Überschrift sowie einen kleinen Einleitungstext zu verfassen. Zudem übernahm ich in den meisten Fällen auch die Suche nach einer sogenannten „Letzten Meldung“, einem zum Schmunzeln anregenden Bild, Comic, Video oder Artikel im Bereich Internet und/oder Computer.
Die grösste Schwierigkeit bei den letzten Meldungen war, nicht immer auf dieselben Internetquellen zuzugreifen, sondern Varianz einzubringen.   Nach dem Zusammenstellen des Newsletters im CMS musste ich den Newsletter ins Programm „Inxmail“ einfügen, Test‐Emails verschicken, wenn nötig einige kleine Korrekturen einfügen und den Newsletter dann versenden.

 

Erlerntes Wissen

Zuallererst lernte ich beim Praktikum bei der Netzwoche die Handwerkszeuge des Schreibens. Der Redakteur, der für mich verantwortlich war, sowie der Chefredakteur zeigten mir sehr gut und praxisnah, worauf es beim Verfassen von Nachrichten ankommt. Ich lernte, kurze und knackige Titel zu setzen und verinnerlichte den typischen Aufbau eines journalistischen Textes, der sich dem einer wissenschaftlichen Publikation stark unterscheidet. So ist es wichtig, den Leser gleich zu Beginn einzufangen. Statt beispielsweise chronologisch vorzugehen, müssen die aktuellsten und relevanten Dinge zu Beginn stehen. Ich konnte auch üben, Interviews zu führen und zu verschriftlichen. Ebenso die Eventberichterstattung lernte ich von Grund auf kennen.

Die wohl wichtigste Erkenntnis, die ich erlangen musste, war die der Knappheit: Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Schreiben ist beim Journalismus weniger immer mehr. Die Sätze müssen kurz und knackig sein. Nebensätze sollten möglichst vermieden werden, besonders mehrere nacheinander. Das Schreiben für die Netzwoche forderte zudem immer wieder den Mut zur Lücke, mit dem ich mich anfangs schwer tat. Weniger relevante Dinge können auch weggelassen werden – es zählt der aktuellste Inhalt. Neben dem Schreiben erhielt ich auch einen umfassenden Einblick in den Redaktionsalltag und die Fabrikation einer Zeitung, samt der manchmal sehr hektisch werdenden Abschlusswoche.

Zusätzlich zum handwerklichen Rüstzeug, dass ich erlernen konnte, habe ich auch inhaltlich viel gelernt. Ich musste mich das erste Mal in ein CMS einarbeiten und mit einem Newsletter‐Versandprogramm rbeiten. Ich hatte bereits einiges an Wissen im Bereich Internet und Computern. Die Zeit bei der Netzwoche steigerte mein Wissen weiter. Ich lernte einerseits Fachbegriffe, aber auch Zusammenhänge, wichtige Player in der Branche, Abläufe und Zusammenhänge kennen.

Für mich eine Belastungsprobe war auch die Zusammenarbeit im Team. Ich hatte zu Beginn meines Praktikums Respekt davor, mich zum ersten Mal in ein Team einzuarbeiten. Glücklicherweise klappte das Teamworking ausgezeichnet – ich verstand mich mit sämtlichen Redaktionskollegen gut bis sehr gut. Regelmässige gemeinsame Mittagessen sowie die eine oder andere Pause mit privaten Gesprächen förderten meine Aufnahme ins Team. Dazu kam, dass mich die Redaktionsmitglieder trotz meines Status als Praktikantin bereits von Anfang an als vollwertiges Teammitglied akzeptierten. Recht früh begann ich so auch, bei den wöchentlichen Redaktionssitzungen mitzudiskutieren oder Feedback zu geben, das nicht auf taube Ohren stiess.

Die Praktikumszeit bei der Netzwoche verlangte von mir ein hohes Mass an Selbstorganisation sowie Selbstdisziplin. Ich hatte meine Aufgabenbereiche, konnte mir aber selber einteilen, wann ich was mache. Die täglichen Aufgaben vor allem im Onlinebereich waren einfacher einzuteilen. Schwieriger wurde es für die Rubriken der Printausgabe. Recht rasch hatte ich mir bereits ein System bereitgelegt, mit dem ich die Rubriken nach und nach im Verlauf der zweiten Woche vor Abgabeschluss abarbeitete. So stellte ich sicher, dass ich nicht alles noch am Vortag erledigen musste. Der für mich zuständige Redakteur erkundigte sich auch stets nach dem Stand der Dinge, so dass er als eine Art Kontrollmechanismus wirkte.

Was ich mir zudem notgedrungen überwinden musste, war meine Aversion gegen das Telefonieren. Ich tat mich schon immer schwer, fremde Leute anzurufen, sei es für ein Interview oder auch nur für eine Nachfrage zu einer Pressemitteilung oder für eine Anfrage nach einer hochauflösender Fotografie. Im Redaktionsalltag ist es sehr oft notwendig, zum Telefonhörer zu greifen. Manches Mal umging ich dies, indem ich bei weniger dringenden Dingen eine E‐Mail schrieb. Gegen Ende der Praktikumszeit fiel mir das Telefonieren zwar noch immer schwer, aber nicht mehr so schwer wie zu Beginn des Praktikums.

Das erlernte Wissen konnte ich zum Schluss meines Praktikums beweisen. Ich erstellte für eine Ausgabe des Printmagazins die Titelgeschichte. Dazu musste ich mir früh überlegen, welchem Thema ich mich widmen wollte und auf welche Unterthemen ich Wert legen wollte. Die Titelgeschichte umfasste schliesslich zwei Seiten. Ich interviewte vier Personen, die mir ihre Einschätzung gaben, und deren Zitate in den Text einflossen. Ein Gespräch erschien gleich als Interview, so dass ich auch diese Textform noch einmal anwenden konnte.

 

Angewandtes Wissen

Das Studienfach Kulturwissenschaften sowie mein Majorfach Geschichte prädestinieren zumindest inhaltlich nicht unbedingt dafür, bei einer Fachzeitschrift für Internet‐  und Kommunikationstechnologie ein Praktikum zu absolvieren. Dennoch konnte ich einige Male auf Dinge zurückgreifen, die ich mir während der letzten Jahre Studium angeeignet hatte. Inhaltlich merkte ich dies besonders bei Themen, die einen gesellschaftlichen, politischen oder gar geschichtlichen Hintergrund haben. Das kam manchmal bei Themen vor, sehr oft aber auch einfach in den privaten Gesprächen mit meinen Kollegen. Dort konnte ich oft interessante Fakten zu einem Thema beisteuern.

Geholfen hat mir meine universitäre Ausbildung besonders beim Recherchieren und Schreiben. Einerseits habe ich durch das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten eine gewisse Erfahrung im sachlichen Schreibstil (wenngleich er für die Nachrichtenproduktion angepasst werden musste). Andererseits fällt es mir auch leicht, aus einer Masse von Informationen die wichtigsten Dinge herauszufiltern und wiederzugeben.

Ich bin zudem der Meinung, dass der Studiengang Kulturwissenschaften allgemein das interdisziplinäre Denken fördert. Ich durchschaue Beziehungsgeflechte und Themenzusammenhänge besser als noch zu Beginn meines Studiums. So ergeben sich oft interessante Nebenaspekte, die manch einem meiner Artikel eine interessante zweite (oder dritte) Dimension gaben.

 

Fazit

Ich beurteile das sechsmonatige Praktikum bei der Netzwoche als vollen Erfolg. Ich konnte in vielen Bereichen stark profitieren. Da mich die Redaktion der Netzwoche von Anfang an als vollwertiges Mitglied in den Redaktionsbetrieb einband, hatte ich nicht nur Einblick, sondern war die vollen sechs Monate lang Teil des Online‐  und Printjournalismus beim Netzmedien‐Verlag. Ich lernte sowohl das Handwerkszeug als auch die Abläufe kennen. Neben diesen handwerklichen Fähigkeiten habe ich zudem auch ein immenses Wissen über die ICT‐Branche erlangt. Ich konnte zudem auch im sozialen Bereich von diesem Praktikum profitieren.

Nicht zuletzt war das Praktikum auch mein erster Einblick in die Berufswelt an sich. Ich arbeite zwar seit Jahren als Nebenjob an einer Tankstelle, aber eine Vollzeitstelle, die zudem jeden Tag zweimal 50 Minuten Pendelzeit erfordert, war eine ganz neue Erfahrung, die mich zwar gefordert, mir aber auch ein Gefühl der Befriedigung verschafft hat.